BMW M1: Die Geschichte einer bayerischen Legende
Es gibt Autos, die man erklärt, und Autos, die man kennt. Der BMW M1 gehört zur zweiten Kategorie. Wer ihn einmal gesehen hat, vergisst ihn nicht: die flache Karosserie, das Mittelmotorkonzept, die charakteristischen Klappscheinwerfer. Gebaut wurde er nur zwischen 1978 und 1981, in einer Kleinstserie von 453 Exemplaren. Und trotzdem, oder vielleicht genau deswegen, ist er bis heute das bedeutendste Fahrzeug, das BMW je produziert hat.
Ein Sportwagen entsteht aus der Not
Die Ursprünge des M1 liegen nicht in einer kühnen Marketingvision, sondern in einem handfesten Rennprogramm. BMW wollte Anfang der 1970er Jahre in der Gruppe-4-Klasse antreten und brauchte dafür einen homologierten Mittelmotorsportwagen. Die Zusammenarbeit mit Lamborghini sollte die Serienproduktion sicherstellen: Die Italiener übernahmen Konstruktion und Fertigung des Chassis, BMW lieferte den Motor. Das Projekt geriet schnell in Schieflage. Lamborghini kämpfte selbst mit finanziellen Problemen, die Zusammenarbeit wurde 1977 beendet, ohne dass ein einziges Fahrzeug gebaut worden war.
BMW zog die Konsequenzen und organisierte die Produktion komplett neu. Das Stuttgarter Unternehmen Baur übernahm die Endmontage, Karosserien kamen von Marchesi in Modena, Innenausstattungen von Transformazione Italiana Resina. Ein kompliziertes, teures Puzzle, das sich über mehrere Länder erstreckte. Dennoch rollte im Herbst 1978 der erste serienreife M1 vom Band, rund drei Jahre nach der ursprünglichen Planung.
Der Motor: sechs Zylinder, viel Handarbeit
Das Herzstück des M1 ist ein 3,5-Liter-Reihensechszylinder mit zwei obenliegenden Nockenwellen, entwickelt von Paul Rosche, dem langjährigen Chefmotorenkonstrukteur der BMW Motorsport GmbH. In der Straßenversion leistete der Motor 277 PS, was 1978 einer bemerkenswerten Zahl entsprach. Die Höchstgeschwindigkeit lag bei knapp 260 km/h, der Sprint von null auf hundert dauerte rund 5,6 Sekunden. Im Rennbetrieb, mit mechanischer Einspritzung und Rennauspuff, waren bis zu 470 PS möglich, in der Turbovariante sogar über 850 PS.
Alle Motoren wurden in München von Hand zusammengebaut und einzeln auf dem Prüfstand abgenommen. Das Konzept des handgefertigten Hochleistungsmotors prägte später auch die gesamte M-Baureihe von BMW, die heute noch auf diesem Grundsatz aufbaut.
Procar: Formel-1-Piloten als Markenbotschafter
Weil die Homologation für die Gruppe 4 wegen der Produktionsverzögerungen zunächst nicht zustande kam, erfand BMW eine eigene Rennserie: die BMW M1 Procar Championship. Die Idee war so simpel wie genial. In den Qualifying-Wochenenden der Formel-1-Weltmeisterschaft 1979 und 1980 fuhren die schnellsten Formel-1-Qualifikanten im identisch präparierten M1 gegeneinander. Niki Lauda gewann die Meisterschaft 1979, Nelson Piquet 1980.
Das Konzept brachte den M1 auf alle großen europäischen Rennstrecken und in die Fernsehübertragungen der Formel 1. Kein Werbeetat der Welt hätte diese Reichweite kaufen können. Und der BMW M1 galt fortan nicht als teures Nischenprojekt, sondern als ernstzunehmender Konkurrent für Porsche und Ferrari auf internationalem Niveau.
Karosserie und Design: Giugiaro trifft Bayern
Das Design stammt von Giorgetto Giugiaro, damals bei Italdesign. Der Entwurf war ursprünglich für die Lamborghini-Kooperation entstanden und musste nur geringfügig angepasst werden. Die Glasfaserkarosserie liegt auf einem Stahlrohrrahmen, das Gewicht beträgt rund 1.300 Kilogramm. Für einen Sportwagen dieser Klasse war das damals akzeptabel, kein Bestwert, aber kein Nachteil.
Auffällig ist die konsequente Funktionalität. Keine überflüssigen Sicken, keine modischen Spoilerblenden ohne aerodynamischen Nutzen. Die Klappscheinwerfer waren damals Standard bei Sportwagen, die niedrig genug sein wollten, um in Tunneln und auf Rennstrecken keine Luftwiderstände zu produzieren. Der M1 sieht auch heute noch nicht altmodisch aus. Er sieht zeitlos aus, was ein Unterschied ist.
Sammlerwert und Markt
Von den 453 gebauten Fahrzeugen sind heute noch rund 400 nachweisbar. Gut erhaltene Straßenversionen wechseln bei Auktionen für Beträge zwischen 400.000 und über 600.000 Euro den Besitzer, Procar-Rennfahrzeuge mit dokumentierter Starterhistorie erzielen deutlich mehr. Zum Vergleich: Der Neupreis 1978 lag bei 100.000 DM, was heute kaufkraftbereinigt etwa 85.000 bis 90.000 Euro entspräche.
Der Markt für klassische Sportwagen dieser Ära wird von Institutionen wie dem ADAC beobachtet, doch verlässlichere Orientierung bieten die Auktionsergebnisse der großen Häuser sowie spezialisierte Bewertungsgesellschaften für Oldtimer. Wer einen M1 kaufen möchte, sollte ausschließlich vollständig dokumentierte Fahrzeuge mit lückenloser Fahrzeughistorie in Betracht ziehen, da Fälschungen und umetikettierte Derivate auf dem Markt existieren.
Was bleibt: Das Erbe des M1
BMW hat nach dem M1 keinen weiteren Mittelmotorsportwagen produziert. Der M1 blieb ein Einzelfall, der unter ungünstigen Umständen entstand und unter günstigen Umständen zur Legende wurde. Die BMW M GmbH, die den M1 als erstes Serienfahrzeug verantwortet hatte, entwickelte sich zur weltweit erfolgreichsten Marke für hochleistungsfähige Serienfahrzeuge auf Basis ziviler Pkw-Modelle.
Für alle, die sich für die technische Seite von Fahrzeugen wie dem M1 interessieren und selbst Hand anlegen möchten, bieten Mietwerkstätten eine sinnvolle Möglichkeit: Hebebühnen, Spezialwerkzeug und Fachberatung ohne eigene Infrastruktur. Nicht jeder Besitzer eines historischen Fahrzeugs hat eine vollausgestattete Garage. Das Konzept der Selbsthilfewerkstatt passt gut zu einer Fahrzeugklasse, bei der Eigenverantwortung und handwerkliches Interesse traditionell zusammengehören.
Der M1 steht für einen Moment in der BMW-Geschichte, in dem das Unternehmen bewies, dass es außerhalb seines Kerngeschäfts denken konnte. Dass dieser Versuch nie wiederholt wurde, macht ihn nicht kleiner. Er macht ihn seltener.