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Wohnmobil winterfest machen: Schritt für Schritt

Wohnmobil winterfest machen: Schritt für Schritt

Jedes Jahr dasselbe Bild: Im Oktober stehen tausende Wohnmobile auf Stellplätzen und in Garagen, deren Besitzer sich fragen, ob sie wirklich alles richtig gemacht haben. Und jedes Frühjahr gibt es Fahrzeuge, die mit geplatzten Wasserrohren, korrodierten Batterien oder schimmeligen Polstern aus dem Winterschlaf erwachen. Der Unterschied liegt fast immer in der Vorbereitung. Wer die nächsten Stunden strukturiert investiert, spart im März nicht selten mehrere hundert Euro Reparaturkosten.

Die Wasseranlage vollständig entleeren

Das größte Schadensrisiko beim Einwintern ist die Wasseranlage. Wasser dehnt sich beim Gefrieren um etwa neun Prozent aus und sprengt dabei Schläuche, Pumpen und Fittings, die dem Druck nicht standhalten. Der erste Schritt ist deshalb das vollständige Ablassen aller Tanks. Frisch- und Abwassertank lassen sich über die Ablasshähne am Fahrzeugboden entleeren, was bei einem 100-Liter-Frischwassertank je nach Restmenge mehrere Minuten dauern kann.

Anschließend die Wasserpumpe kurz laufen lassen, bis sie Luft zieht, und alle Hähne im Bad und in der Küche öffnen. Besonderes Augenmerk verdienen Boiler und Warmwasserspeicher: Viele Modelle haben einen separaten Ablassstopfen unten am Gerät, der oft übersehen wird. Wenn der Boiler auch nur zu einem Viertel gefüllt bleibt, kann das bei minus zwölf Grad reichen, um den Behälter zu beschädigen. Wer auf Nummer sicher gehen will, bläst die Leitungen anschließend mit Druckluft durch, nicht mehr als zwei bar, sonst riskiert man ebenfalls Schäden an den Schläuchen.

Batterie und Elektrik richtig behandeln

Blei-Säure-Batterien verlieren bei Kälte deutlich an Kapazität und können im vollständig entladenen Zustand gefrieren und platzen. Eine vollgeladene Batterie hingegen gefriert erst bei etwa minus 68 Grad Celsius, eine auf 50 Prozent entladene bereits bei minus 18 Grad. Das ist in deutschen Wintern durchaus erreichbar. Es empfiehlt sich deshalb, die Bordbatterie entweder auszubauen und in einem frostfreien Raum zu lagern oder sie an ein Erhaltungsladegerät anzuschließen, das automatisch nachlädt. Geräte mit IUoU-Kennlinie und Temperaturkompensation sind dabei besser geeignet als einfache Billiglader.

Die Starterbatterie des Fahrzeugs sollte ebenfalls geprüft werden. Batterien, die älter als vier Jahre sind und im Herbst unter 12,4 Volt fallen, überstehen einen langen Winter oft nicht. Ein Batterietest beim Fachmann kostet zwischen fünf und fünfzehn Euro und gibt Sicherheit. Alle Sicherungskästen, Steckverbindungen und Kabeleinführungen sollten trocken und ohne Feuchtigkeit in den Winter gehen, da Korrosion im Frühjahr zu Ausfällen führt, die schwer zu diagnostizieren sind.

Kühlschrank, Gasleitungen und Heizung vorbereiten

Den Absorber-Kühlschrank bitte niemals mit geschlossener Tür einlagern. Der Kühlschrank braucht Luftzirkulation, sonst bildet sich Schimmel, der tief in den Dichtungen sitzt und kaum mehr vollständig zu entfernen ist. Tür anlehnen oder mit einem Kühlschrank-Abstandshalter offenhalten. Den Innenraum vorher mit einem milden Essigwasser abwischen und gründlich trocknen lassen.

Gasflaschen dürfen auf dem Stellplatz oft nicht dauerhaft angeschlossen bleiben. Die Flaschen am Gaskasten abnehmen, die Ventile schließen und die Leitungen mit den vorgesehenen Schutzkappen sichern. Wer eine Dieselheizung (Webasto, Truma Combi D oder ähnliche) verbaut hat, sollte den Hersteller-Wartungsintervall prüfen: Diese Geräte benötigen nach einer bestimmten Betriebsstundenanzahl eine Reinigung oder Wartung, die sich gut in den Herbst legen lässt.

Karosserie, Dichtungen und Reifen nicht vergessen

Gummidichtungen an Türen, Luken und Fenstern werden im Winter spröde, wenn sie nicht gepflegt sind. Silikonspray oder spezielles Gummipflegemittel einarbeiten und die Dichtungen damit beweglich halten. Das kostet zehn Minuten und verhindert, dass im Frühjahr Wasser eindringt, weil eine Dichtung gerissen ist. Das Dach und alle Silikonnähte sollten sichtbar auf Risse untersucht werden, am besten mit einer Taschenlampe aus verschiedenen Winkeln. Kleine Risse lassen sich mit Dichtstoff auf Silikonbasis provisorisch schließen, tiefere Schäden gehören in die Werkstatt.

Bei Reifen gilt: Wenn das Fahrzeug länger als vier Wochen steht, sollten die Räder alle vier bis sechs Wochen leicht umgesetzt oder das Fahrzeug auf Unterstellböcke gestellt werden. Dauerdruck auf einer Stelle erzeugt flache Stellen im Reifen, die beim ersten Frühjahrsausflug zu einem unruhigen Fahrgefühl führen. Alternativ den Reifendruck auf etwa 0,5 bar über den Normwert anheben, da Kälte den Druck senkt. Reifendeckel aufschrauben, damit keine Feuchtigkeit eindringt.

Innenraum: Lüftung, Polster und Schädlingsschutz

Der Innenraum ist die am häufigsten unterschätzte Baustelle. Restfeuchtigkeit aus Kochen, Duschen oder einfach aus der Luft sammelt sich in Polstern, Kleiderschränken und unter Matratzen. Wer den Wohnraum einfach verschließt, findet im Frühling oft graue Flecken auf den Sitzbezügen. Alle Polster hochstellen, Schränke öffnen, Schubladen einen Spalt weit herausziehen. Silicagel-Trockenbeutel (je nach Fahrzeuggröße zwei bis vier Päckchen à 500 Gramm) absorbieren Restfeuchtigkeit effektiv. Alternativ helfen spezielle Luftentfeuchter mit Calciumchlorid-Granulat.

Mäuse suchen im Winter gerne warme, trockene Räume auf. Speziell Wohnmobile, die auf Freiflächen oder in wenig frequentierten Garagen stehen, sind beliebt. Alle Lebensmittel entfernen, Krümel sorgfältig absaugen und offene Leitungseinführungen mit Schaumstoff oder Stahlwolle abdichten. Letztere zernagen Nager nicht, was bei Schaumstoff leider nicht garantiert ist.

Wer doch draußen übernachtet: Andere Regeln

Nicht jeder legt sein Wohnmobil komplett still. Wer auch im Winter unterwegs ist, muss das Fahrzeug anders vorbereiten. Frostschutz in den Wasserleitungen (auf Trinkwasserbasis), Winterreifen, eine zuverlässig laufende Standheizung und ein guter Schlafsack gehören dann zur Grundausstattung. Wer neu in die Materie einsteigt, findet beim Thema Wintercamping viele praktische Hinweise, die auch erfahrene Wohnmobilfahrer für die Planung nutzen können.

Wer das Fahrzeug dagegen für fünf oder sechs Monate einmottet, sollte die oben genannten Punkte abhaken und das Ergebnis am besten schriftlich festhalten. Eine kurze Checkliste als Foto auf dem Smartphone reicht. Im März weiß man dann genau, was bereits erledigt wurde, und fährt mit gutem Gewissen in die erste Tour des Jahres.

Kurze Checkliste auf einen Blick

  • Wasseranlage: Tanks entleeren, Boiler ablassen, Leitungen ausblasen
  • Batterie: Laden, Erhaltungsladung anschließen oder ausbauen
  • Kühlschrank: Abtauen, reinigen, Tür offenlassen
  • Gas: Flaschen abklemmen, Ventile schließen, Leitungen sichern
  • Dichtungen: Pflegen und auf Risse prüfen
  • Reifen: Druck anpassen, flache Stellen vermeiden
  • Innenraum: Belüften, Trockenmittel einlegen, Einstiegsöffnungen abdichten

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